MPC Classic-Tour 2026
Auf Tour am Bodensee und auch in Der Schweiz
MPCler unterwegs von Konstanz über Romanshorn (Autobau Erlebniswelt), Hagenwil (Wasserschloß), Bussnang (Stadler Rail AG), Arenenberg (Napoleon Schlösschen) nach Stein am Rhein. Dann über Singen (Museum Art & Cars; MAC) und Uhldingen (Auto & Traktor Museum) nach Friedrichshafen ( Klassikwelt Bodensee).
Es hätte auch alle Tage richtig nass werden können oder so heiß, wie zwei Wochen später. Doch wir haben Glück gehabt. Etwas Nieselregen am ersten Auftakt-Abend, Dienstag, dem 9.6., auf dem Spazierweg hin zum Konstanzer Konzil-Gebäude, richtig nass am zweiten Tag, während unserer Tour nach Romanshorn, Hagenwil und Bussnang. Das konnte uns jedoch egal sein, weilten wir entweder im Auto, in einer musealen Einrichtung oder einer Fabrik. Doch dann kam nachts ein Wind auf und schob die Wolken weg. So machten wir am folgenden Tag, dem 11.6., unsere Landpartie bergauf und bergab, von Schloss zu Schloss bei klarem Sonnenschein. Der vom Schloss Arenenberg hinunter betrachtete See erschien in hellem Smaragd-Grün mit weißen, kleinen Schaumkronen auf den bewegten Wellen und ließ uns verstehen, warum der See, spätestens bei dieser Brise, auch Schwäbisches Meer genannt wird. Nicht nur wegen seiner Größe, auch wegen der vielfältigen Wolkenbewegungen über ihm und seinen Farbstellungen. Ein paar Fallen scheint der See, wie ein Meer, auch parat zu haben, sonst bräuchte man nicht extra ein Bodensee-Schiffer-Patent, um hier mit einem Boot aufs Wasser zu gehen. Der Bodensee, in diesem Falle der Untersee des Bodensees, präsentierte sich von seiner besten Seite und machte uns richtig Laune, auf die Strecke zu gehen. Die folgenden Tage brachten Sonne satt, bei angenehmen Temperaturen.
Nach einem netten Auftakt-Abend im historischen Konzil, so auch der Name des Restaurants am Konstanzer Hafen „Konzil“, im selbigen Gebäude, ging es am nächsten Morgen nach Romanshorn in die „Autobau Erlebniswelt“. Der Begriff könnte auch als Motto für unsere Classic Touren herhalten, sind wir doch jedes Jahr erlebnisreich unterwegs auf den Spuren der automobilen Vergangenheit. Der Name ist ein Versprechen, welches gehalten wird. Ein ehemaliger Schweizer Rennfahrer und Unternehmer namens Fredy Lienhard, hat sich in Romanshorn einen Traum verwirklicht. Und der Junior selbes Namens kuratiert nun in zweiter Generation ein Auto-Museum mit Eventcharakter in einem wunderbar restaurierten historischen Gebäude, einem ehemaligen Alkohollager. Passend dazu der jährliche Vatertag-Event: „Bratwurst, Bier und Boliden“.
Lienhard jun. möchte der Öffentlichkeit ein „intensives ästhetisches Erlebnis“ bieten und das gelingt ihm. Für ihn ist das Auto ein Kulturgut. Rund 120 Autos stehen in Romanshorn, viele wertvolle Leihgaben darunter, die im Übrigen auch regelmäßig bewegt werden wollen. Die Palette reicht vom Alltagswagen bis zu Formel 1-Boliden. Doch der Schwerpunkt liegt klar auf den Rennwagen. Eine ganze Etage ist z.B. dem Schweizer Rennstall Sauber gewidmet. Aber auch der erfolgreichste Schweizer Rennfahrer Clay Regazzoni stiftete einige seiner Fahrzeuge. Das Museum lebt vom Kontrast. Es gibt einen Dragster mit 11.000 PS, der mit reinem Methanol läuft und aus dem Stand in 5,3 Sekunden auf 500 Km/h beschleunigt, aber auch eine BMW Isetta mit 13 PS. Übrigens: Mein Rasenmäher hat stolze 27 PS! Soviel PS hatte der VW Käfer zwischen 1954 und 1960 und der Fiat 126p noch 1977. Nicht mal die Vorstellung, damit eine Reise gen Süden anzutreten, käme mir in den Sinn. Doch damals war es das große Glück einer vier-köpfigen Familie mit ihrem vollgestopften 27 PS-VW-Käfer über die Alpen nach Italien in den Sommerurlaub zu fahren. Nachträgliches „Chapeau“!
Weiter ging es gegen Mittag. Nach einer halben Stunde Fahrt durch die blühende Landschaft des Thurgaus und an vielen Riegelhäusern vorbei, war ein Besuch im rd. 800 Jahre alten Wasserschloss Hagenwil angesagt. Trotz des Regens bezauberte uns die Lage des Schlosses, verträumt in einer Mulde gelegen und geschützt von sanft ansteigenden saftigen Wiesen. Im Café des Schlosses betörte uns das innen fluffige und außen krosse Hörnli des Hauses, bis die charmante Schlossherrin uns zur Führung einlud. Das Schloss hat eine sehr wechselhafte Geschichte und war lange Zeit dem Kloster St. Gallen zugehörig. Die Äbte verlebten gerne ihre Ferien in dieser schönen Umgebung und bauten es zur Sommerresidenz aus. Nach der Aufhebung des Klosters St. Gallen kaufte der damalige Verwalter Benedikt Angehrn im Jahr 1805 das Schloss, und seine Nachfahren betreiben es bis heute in siebter Generation. Es hat ein wohl beleumdetes Restaurant der Gilde Suisse und ein paar Betten für Übernachtungsgäste. Es wird gerne für Hochzeiten gewählt, da es auch eine eigene Kapelle beherbergt. Es war spannend, die diversen Räumlichkeiten und Gewölbe kennenzulernen. Es ist größer als man anfänglich denkt und atmet Historie in jedem Winkel seiner dicken Mauern.
Und hatten wir schon bis zum Nachmittag einige diverse und erstaunliche Eindrücke automobiler und historischer Natur gewonnen, setzte der nächste Besichtigungspunkt noch den i-Punkt drauf. Wer von uns Auto-Freaks hat jemals eine Zug-Produktion besichtigt? Da waren wir weltweit in zig Automobilwerken, aber keiner von uns kennt die Probleme und Herausforderungen der Schienenfahrzeug-Produktion und deren Vertriebswege. Wir kennen nur die Probleme der Deutschen Bahn! Die sind aber hausgemacht und nicht vom Hersteller der Züge verursacht. Deren Produktion ist hoch spannend! Wir folgten der Einladung der Stadler Rail AG an ihren Hauptsitz in Bussnang/TG mit ihrem dynamischen CEO Markus Bernsteiner, der sich uns freundlich-ironisch als „Hüttenwirt“ vorstellte.
Die Stadler Rail AG gehört zu den weltweit zehn größten Herstellern von Schienenfahrzeugen. Der Standort Bussnang ist einer der größten Arbeitgeber der Region Thurgau. Hier bündelt sich Schweizer Ingenieurskunst, Präzision und Innovationskraft. Hier entstehen aus vielen Engineering‑Leistungen die Prototypen für neue Fahrzeugplattformen und entsprechende Aufbauten, um den harten, internationalen Wettbewerb für die Großaufträge zu bestehen. Stadler gehört zu den Pionieren bei emissionsfreien Antrieben. Ihr Wasserstoffzug FLIRT H2 gewann 2023/2024 viele internationale Auszeichnungen und fährt bereits in den USA. Er kommt da zum Einsatz, wo es keine elektrische Infrastruktur gibt und es auch zu teuer und kompliziert wäre, sie aufzubauen.
Stadler konnte in den letzten Jahren kontinuierlich wachsen und beschäftigt weltweit rund 18.000 Mitarbeiter. Der Auftragsbestand liegt seit 2024/2025 auf einem historischen Höchststand mit über 30 Milliarden CHF. Das sichert langfristig die Auslastung der Werke, insbesondere in Bussnang. Stadler ist bekannt für seine Zuverlässigkeit und Termintreue, ein wichtiges Asset für die Auftragserteilung und Zusammenarbeit mit anderen Herstellern, wie z.B. mit der Siemens AG.
Ärgerte man sich Ende letzten Jahres noch über eine Auftragsvergabe der Schweizer Bundes Bahn (SBB) an den Konkurrenten Siemens, so ging man im April dieses Jahres eine groß angelegte Zusammenarbeit mit selbigem Wettbewerber ein, und zwar bei einer Ausschreibung über ein hochmodernes, automatisiertes S‑Bahn-System für Dänemark.
Bei dem neuen Projekt geht es um eines der größten Bahnprojekte in Europa. Immerhin über die Lieferung von 226 vollautomatisierten, autonom fahrenden vierteiligen S‑Bahn-Triebzügen, plus Option auf bis zu 100 weitere Einheiten. Diese Zusammenarbeit ist strategisch bedeutsam, nicht nur wegen der 3 Milliarden Euro Auftragsvolumen, sondern wegen seiner langfristigen, zukunftsweisenden Aussichten für ein gemeinsames Service- und Wartungskonzept über mindestens 30 Jahre. Für die Kopenhagener S-Bahn bedeutet es eine Erhöhung der Taktfrequenz um bis zu 35 Prozent mehr Abfahrten im Vergleich zu heute, d.h., die Taktzeiten für die Fahrgäste werden immer kürzer, und sie erreicht damit eine Kapazität für rund zehn Millionen zusätzlicher Fahrten pro Jahr.
Wir hatten mit Andreas Zuber und Marcel Nater zwei tolle „Bärenführer“ durchs Werk. Keine Frage blieb unbeantwortet. Faszinierend der Ablauf des Waggon-Aufbaus vom Rohbau über die mechanische Montage bis zur elektrischen und elektronischen Ausgestaltung, besonders der Triebwagen mit ihren Führerständen. Noch faszinierender ist allerdings das Hochziehen eines ganzen Wagens mittels Gurten und Kran in ein höher gelegenes Stockwerk zur Weiterbearbeitung. Da gehen eindrucksvoll die Decken auf und die Kräne kommen in Bewegung. Man fragt sich, wie dann ein fertiger Zug zum Kunden kommt. Denn nicht alle werden über die Schiene ausgeliefert, haben wir gelernt. Geht auch nicht, z. B. bei einer Zahnradbahn oder wenn die Spurbreite eine andere ist. Da geht es tatsächlich dann Huckepack auf LKWs. Riesig, die hellen, sauberen Hallen und unzähligen, ermüdenden Treppen, die beweisen, dass eine Zugproduktionshalle doch ganz anders aufgebaut wird als eine Autoproduktionsstätte.
Der Tag war anstrengend und Stadler hatte für uns einen kleinen Apéro bereit. Wasser, Wein und kleine Köstlichkeiten halfen die Zeit bis zum Abendessen im „Wirtshaus Constanz“ zu überbrücken, schließlich hatten wir seit dem Frühstück nur ein Hörnli gegessen. Gemütlich klang dann der Tag in der Weinstube des o.g. Hauses bei österreichisch-deutscher, gutbürgerlicher Küche aus. Ich erinnere mich gerne an den mit Petra Nies geteilten Kaiserschmarren. Ein bisschen Hüftgold muss erlaubt sein.
Am nächsten Tag lachte die Sonne und wir trafen uns alle gut gelaunt auf dem Arenenberg bei Salenstein/TG, von wo aus man einen der schönsten, weitschweifigen Blicke über den Untersee hat. Dort lebte Napoleon III. mit Hortense de Beauharnais im Exil. Es gibt schlimmere Schicksale, oder? Die Besichtigung des gut erhaltenen Wohnhauses war ein Eintauchen in die Zeit des Empire-Stils mit originalen Kunstwerken, Briefen und Alltagsgegenständen. Wir wurden großzügig mit unserem Presseausweis reingelassen und mit Puschen und Audio-Stick ausgerüstet auf den Weg durch die eleganten Räume geschickt. Ein wunderbares Erlebnis. Klein, aber fein. Ich weiß nicht, wie es Euch ging, aber ich drohte mit den Puschen entweder zu stürzen, oder aber, einer war weg und ich auf der Suche nach dem Vermissten. Dabei hatte ihn jemand schon ordentlich wieder in die Kiste geworfen, wie ich beiläufig nach längerer Suche erfuhr. Der Audio-Stick vermittelte spannende Anekdoten über das Exil der Familie Bonaparte. Gerne hätte ich mir noch den Park angesehen, aber der Weinkeller musste reichen, denn wir wollten weiter im Programm.
Von Salenstein ging es steil runter an den See. Von dort führt die N13 direkt am Wasser entlang und offeriert entzückende Orte, zu denen unbedingt Berlingen und Steckborn gehören. Das grüne Wasser ließ uns nicht mehr los, bis ich die Wagenkolonne in Mammern die Liebenzeller Straße hinauf auf den Seerücken führte. Oben angekommen, ragt ein hohes Gemäuer gen Himmel, Schloss Liebenzell, welches einer württembergischen Winzerfamilie gehört, die dort neben edlen Autos auch Alpakas ihr Eigen nennt. Beides erfreute uns im Vorbeifahren. Kurz hinter dem Schloss gibt es einen landwirtschaftlichen Weg nach Klingenzell zu einer Wallfahrtskirche. Herrlich durch die Felder. Die Landschaft zeigt dort unvermutete Weite. Entgegenkommende landwirtschaftliche Fahrzeuge waren erstaunt über unsere Kolonne mit deutschen Kennzeichen. Und keiner der Teilnehmer konnte damit rechnen, dass sich mitten im hohen Gras und neben friedlich malmenden Kühen, plötzlich ein Parkplatz befand, den wir ansteuerten. Es ging nicht zur Kirche, sondern zum Schloss Freudenfels, entzückend gelegen auf einem Felssporn mit herrlichem Blick über den See und mit einem üppigen Rosengarten vor der Tür. Dumm nur, dass dieser verwunschene Parkplatz an diesem Tag rappel voll war. Damit habe ich nicht gerechnet. Das Schloss diente früher als Sommersitz der Mönche des Klosters Einsiedeln. Erstmals erwähnt wurde Burg Freudenfels 1359 beim Übergang von den Herren von Hohenklingen an die Herzöge von Österreich. Der mittelalterliche Wehrturm wurde 1617 umgebaut und um einen Wohntrakt erweitert. Seit 1996 ist der Pächter die «Schloss Freudenfels AG», welche sich über die «Liechtenstein Academy Foundation» im Besitz des Fürstenhauses von Liechtenstein befindet und das Schloss als Veranstaltungsort für Feste und Seminare nutzt. Und just an diesem Tag war es ausgebucht. Mit viel Gekurbel und guten Nerven haben fast alle noch ein Plätzchen gefunden. Wir wollten ja nicht lange bleiben. Der Ausblick war es aber Wert.
Dann ging es wieder runter an den See und über die mittelalterliche Brücke nach Stein am Rhein. Genau unter ihr verlässt der Rhein den Bodensee. Schon die Römer bauten hier ca. 300 n.Chr. ein Kastell, um die Grenze des Imperiums zu sichern. Die Fahrt über die Rheinbrücke ist einfach immer wieder grandios. Der Blick in die Altstadt allerliebst, bei jedem Wetter. Im 11. Jahrhundert verlegte Kaiser Heinrich II. das Kloster St. Georgen an den heutigen Standort, gleich rechts von der Brücke. Warum? Weil die Mönche dort Zoll kassieren konnten. Das Kloster wurde reich, die Siedlung wuchs – Stein am Rhein wurde zur wohlhabenden Kleinstadt, ein regionales Handelszentrum. Sie hatte ihre Blütezeit im 15.-16. Jahrhundert. In dieser Zeit entstanden die prächtigen Fassadenmalereien, die heute das Markenzeichen der Stadt sind. Zugegeben: Heute wirkt alles ein wenig wie ein arrangiertes Filmset. Die chinesischen und japanischen Touristengruppen lassen auf eine internationale Bekanntheit schließen, wie von Rüdesheim am Rhein oder Hallstatt in Österreich. Die Stadt liegt natürlich auch auf der Schweizer Grand Tour, einer 1.643 Kilometer langen Rundstrecke, die durch 8 Regionen führt, 22 Seen berührt, 5 Alpenpässe überquert, 12 UNESCO‑Stätten verbindet und die Schweiz in ihrer ganzen Vielfalt zeigen soll. Start: Flughafen Zürich. Das sagt alles. Und trotzdem schön und empfehlenswert.
Nur die Parkuhren in Stein am Rhein sind merkwürdig und haben unsere Gruppe sehr herausgefordert. Alle sind wir fast gleichzeitig ins Parkhaus reingefahren und auch wieder raus. Die einen fütterten den Automaten mit 3,40 €, ich nur mit 20 Rappen. Irgendwas lief da falsch mit der Bedienung. Wir hätten wohl vorher zahlen sollen, nicht hinterher? Mal sehen, ob da noch was kommt. Hauptsache, wir waren alle draußen und konnten weiterfahren.
Es ging in Richtung Singen. Das großartige MAC wartete auf uns. Das Museum Art & Cars, welches eine faszinierende Mischung aus Kunst und Automobilgeschichte präsentiert, mit Wechselausstellungen der zeitgenössischen Kunst, Lichtkunst und Fotografie und klassischen Automobilen jeder Art, eingebettet in modernste Architektur. Seine Existenz ist dem Stifterehepaar Gabriela Unbehaun-Maier und Hermann Maier zu verdanken.
Das wellenförmige MAC 1 und das mit scharfen Kanten versehene MAC 2 spiegeln kunstvoll und brillant die sie umgebende Natur wider. Die glitzernde Fassade des Gebäudes des MAC 2 z.B., lässt die Idee von zwei Felsblöcken, die vom Hohentwiel herabgestürzt sein könnten und an der Aach zum Liegen kamen, erkennen. So zumindest die Erläuterung des Architekten. Ein Besuch dort erscheint aus meiner Sicht zwingend für jeden Kunst- und Autoliebhaber. Und auch das Restaurant und Café ist nicht zu verachten. Gemütlich, freundlich, qualitativ prima. Ein Hauch von Exklusivität, die man in der Maggi-Stadt Singen nicht erwarten würde.
Uns begrüßte die elegante Stifterin persönlich und legte uns für die weitere Führung Herrn Grunewald ans Herz. Und Herrn Grunewald kennenzulernen war alleine schon einen Besuch wert. Eine Fröhlichkeit ausstrahlende Persönlichkeit mit Seltenheitswert in der heutigen Zeit. Als Postbote in Flörsheim gestartet und als Bandarbeiter bei Opel in Rüsselsheim weiter aufgestiegen zum Betriebsrat. Ein Opelianer durch und durch. Nach Renteneintritt zurück gegangen in die Heimat in der Nähe von Singen, ist er nun mit Mitte 70, ausgestattet mit großer Lebenserfahrung, Einfühlungsvermögen, Bescheidenheit, aber großer Leidenschaft für die Menschen und allem was schön ist, aktiv als engagierter Museumsführer in diesen erlesenen Hallen tätig und unterhält die Besucher mit unendlich viel Autowissen und Geschichtskenntnissen. Nebenbei hilft er in diversen Vereinen und auch Institutionen, die sich u.a. um die Integration von Flüchtlingen bemühen.
Herr Grunewald traf auf unsere Gruppe und brach fast vor Rührung in Tränen aus. Ein Zusammentreffen mit Gänsehaut. Warum? Vier ehemalige Opelianer unter uns. Vor allem Frank Thomas Schmidt kannte er gut und es kam zu einer rührenden Begrüßungsszene. Entsprechend motiviert führte er uns durch die interessanten Hallen des MAC 2 über drei Etagen. Mit großer Sensibilität für den Ausdruck der verschiedenen Gesichter von Marylin Monroe, brachte er uns die Fotos des genialen amerikanischen Fotografen Gill Grant näher. Grunewald erkannte in den Bildern die Zerbrechlichkeit und Emotionalität der Ikone Marilyn sowie die Genialität der diversen Fotografen, die sich mit ihr beschäftigten. Die Marilyn Monroe-Ausstellung im MAC wurde erst kurz zuvor am 21. Mai vom 91-jährigen US Pop-Art-Künstler James Francis Gill eröffnet und ermöglicht einen seltenen, unmittelbaren Zugang zu Marilyn Monroe - jenseits von Inszenierung und Mythos. Abgerundet wird die Ausstellung durch ikonische US-Fahrzeuge aus der Ära Marilyns, aber auch Elvis Presleys, wie einem Pontiac Bonneville Tri Power Convertible, einem Ford Galaxy Skyline Streetrod, einer Chevrolet Corvette C1 oder einem Chevrolet Impala SS Dragster. Weitere Modelle – vom Buick Electra 225 bis zum Pontiac GTO – runden die Inszenierung amerikanischer Stil- und Designgeschichte ab.
Später, eine Etage tiefer, blickte er mit großer Besorgnis auch auf die gesellschaftliche Entwicklung unserer Zeit und das unsäglich dumme Verhalten der Gewerkschafter heute, die eine Teilschuld am Untergang der deutschen Automobilunternehmen tragen. Gerade bei VW. Die Korruption und Blindheit bei seinen Ex-Kollegen bedauerte er sehr. Sie würden nur für ihre eigene Tasche sorgen, aber nicht wirklich für die Kollegen in den Werken. Überzogene Lohnforderungen seien Teil der Standort-Problematik und führten letztendlich zu den Entlassungen, die wir heute sehen. Die Gewerkschaften würden ihren Mitgliedern einen Bärendienst erweisen.
So wurde die Führung zu einem besonderen Erlebnis durch den breitgefächerten, über die Ausstellung hinausragenden Gedankenaustausch. Trotzdem kamen die herrlichen Exponate alter und neuer Provenienz nicht zu kurz. Es gab etwas für jeden Autofreak-Geschmack. Z. B. die klassischen Oldtimer von der Berliner Edelschmiede Erdmann & Rossi aus der Sammlung des litauischen Unternehmers Saulius Karosas (1958-2019), der für seine Sammlung seltener Vorkriegsfahrzeuge bekannt war. Sie hinterließen einen tiefen Eindruck. Welch eine Zeit, welch eine Auto-Ära! Geschwungene Linien, wohldurchdachte Proportionen und Finesse demonstriert an Karossen von Mercedes, Horch, Maybach und Rolls-Royce wie auch Bentley. Die „Roaring Twenties“, Zeiten von Autos, die fernab der Massenproduktion entstanden. Herrlich!
Aus Elvis Presleys Fuhrpark der berühmte Golden Cadillac Eldorado (1967), extra mit einer Kugel im Blech, die er angeblich reinschoss, als der Wagen nicht ansprang. Eine nette Anekdote, die gut ankommt. Das wirklich von ihm beschossene Fahrzeug ist ein De Tomaso Pantera und befindet sich im Petersen Automotive Museum in L.A. Der Golden Cadillac in Singen ist aber auch so sehr cool und lässt zusammen mit den anderen typischen Straßenkreuzern aus den 1950er/60er Jahren und den Corvettes C1, C2 und C3 das herrliche Gefühl der Zeit des Rock´n´Roll in die Hüften schwingen. Alle Exponate, egal welcher Zeit, sind ganz besonders aufgestellt und ausgeleuchtet. Die Lichtinstallationen an den hohen Betonmauern, ob Wasserfall, Feuer oder andere Naturbilder, sie sind hinreißend. Man kann gar nicht alles auf einmal erfassen und dabei den Beschreibungen zu den Ausstellungsstücken folgen. Fazit: Da muss man nochmal hin!
Erschöpft aalten sich am Schluss der Führung dann alle MPCler dankbar in den in der unteren Etage platzierten Liegestühlen. Keiner, der es nicht irgendwie im Rücken hatte. Wir werden halt älter…Doch in Konstanz zurück, machten sich die Kollegen wieder sehr munter zu Fuß auf den Weg ins Strohmeyer-Viertel, einem sich in der Restauration befindenden Stadtteil am See-Rhein, unweit des Hotels, wo wir uns im Restaurant „Die Bleiche“ trafen, in einer ehemaligen Zeltfabrik, nun unter Denkmalschutz. Die Runde war etwas abgeschmolzen durch vorzeitige Abreisen, aber immer noch lustig und hungrig, hatten wir doch wieder kein Mittagessen! Bei diesem Ausklang des Tages bekam übrigens Thomas Fuhrmann von Karl-Artur Rappe die „Goldene Sohle“ des MPC verliehen, die er sich letztes Jahr in Weimar bei den Wander- und Kultur-Tagen, die Rappes immer so liebevoll ausrichten, erlaufen hatte. Dieses Jahr geht es übrigens nach Erfurt.
Der letzte Tag, der 12.6., der den Termin der Classic Tour bestimmt hatte, war der Eröffnungstag der „Klassikwelt Bodensee“ in Friedrichshafen. Das war unser gesetztes Ziel, doch nicht ohne vorher noch in Uhldingen-Mühlhofen im dortigen „Auto & Traktor Museum“ vorbeizuschauen. Es lag ja quasi auf dem Weg und gilt auch als ein unbedingtes Muss für jeden Auto-Freund. 350 Fahrzeuge auf 10.000 qm Ausstellungsfläche integriert in eine Sammlung von historischen Gegenständen und nachgeahmten Impressionen, die die Entwicklung des Land- und Stadtlebens der letzten 100 Jahre darstellen. Autos, Motorräder und Traktoren, Alltagsgefährte und Meilensteine der Automobilgeschichte warten dort auf Besucher. Seit 2017 ist die komplette Autosammlung unseres Ex-Kollegen Fritz W. Busch aus Wolfegg in dieser wunderbaren Lokation, einem alten, ausgebauten Gutshof mit Fachwerkcharakter und angeschlossener Restauration, dem einladend aussehenden „Jägerhof“ untergebracht. Sie ergänzt die 200 Traktoren aus aller Welt, die der Mäzen und Technik-Freak, der Unternehmer Gerhard Schumacher, bereits dort ausstellte. Schon in seiner Schulzeit in Stuttgart fuhr Schumacher mit einem Traktor in die Schule und besserte sein Taschengeld mit der Reparatur von Motorrädern und Traktoren auf.
Ab Mittag trafen wir uns dann auf der beliebten Old- und Youngtimer-Messe „Klassikwelt Bodensee“ in Friedrichshafen, wo bereits die Mäzene aus Singen und Mühlhofen auf der Suche nach interessanten Stücken und mit Präsentationen aus ihren Garagen unterwegs waren. Die Messe zeichnet sich durch eine ganz besondere, fast schon familiäre Atmosphäre aus. An drei Eventtagen strömten letztlich 40 600 Oldtimer-Fans, Enthusiasten, Schrauber und Genießer und rund 800 Teilnehmende über das Friedrichshafener Messegelände mit den zwölf Messehallen. Auf dem Freigelände gab es u.a. einen 1,6 km langen Rundkurs für Vintage-Car-Rennen oder alte DTM-Fahrzeuge. Auf dem Messe-See tummelten sich Amphibienfahrzeuge. In der Luft zeigten die Aeronauten mit ihren alten Maschinen, was sie an Akrobatik noch draufhatten. Auf dieser Messe bekommt jeder Besucher rote Wangen, weil er irgendetwas entdeckt hat, was ihn fasziniert oder an alte Zeiten erinnert.
Erholen und mit einem kühlen Pfälzer Wein entspannen, konnten wir uns bei Jan Hennen auf seinem DEUVET-Stand am späteren Nachmittag, nicht ohne dabei etwas von Dr. Ekkehard Pott, dem Präsidenten des „DEUVET Bundesverband Oldtimer-Youngtimer e.V.“ über die Zukunftsaussichten, die Sorgen und Nöte unseres automobilen Kulturguts zu erfahren. Seine Kernbotschaften:
- Die seit Jahrzehnten steigende Lebenserwartung von Pkw führt auch zu einer deutlichen Zunahme des Ü30-Anteils im Bestand. In 2040 wird ein Ü30-Anteil von 5% erwartet.
- Der Anteil von H-Fahrzeugen wird korrespondierend bis 2040 auf ca. 3% des Gesamtbestandes –und damit langsamer als der Ü30-Anteil –wachsen.
- Die steuerliche Attraktivität des H-Kennzeichens nimmt für Neueinsteiger in den kommenden Jahren ab.
- Der Anteil hubraumstarker H-Neueinsteiger wird in den kommenden Jahren aufgrund der Entwicklungen in der Antriebstechnik (Downsizing, Turboaufladung) kontinuierlich abnehmen.
- Eine „Dieselschwemme“ bei den H-Neueinsteigern ist nicht zu erwarten, da viele Dieselfahrzeuge aufgrund der ggü. Ottofahrzeugen höheren Laufleistungen die H-Altersschwelle nicht in gutem Zustand erreichen werden.
Die Zukunft der Branche steht insgesamt vor diversen Problemen: Zum einen fehlt es an bezahlbaren Werkstätten und dort an Fachleuten, die z.B. die Wartung alter Vergasermotoren vornehmen können, es fehlt an Ersatzteilen und wenn man sie bekommt, sind sie sehr teuer geworden. Dieser Trend nimmt zu. Auch wenn die diversen Oldtimer-Messen noch immer großes Interesse an diesem Markt signalisieren, so ist er letztlich zweigeteilt. Beobachter sehen ein nachlassendes Interesse an alten Autos durch einen Generationenwechsel; Erinnerungen an schöne alte Autos, z.B. an den Barockengel von BMW oder eine Isabella von Borgward, haben nur noch die Älteren. Auch die schwindende Kaufkraft und Unterbringungsprobleme führen zur Zurückhaltung. So stürzt die alte automobile Mittelklasse im Wert ab, während die elitären Anlageobjekte, die auf exklusiven Schönheitswettbewerben wie dem „Concours d`Elegance“ am Comer See z.B. zu sehen sind, weiterhin Rekorde auf den Auktionen einfahren.
Zusammengefasst: Gewöhnliche Großserienfahrzeuge ohne besondere Historie verlieren an Wert, überrestaurierte Fahrzeuge ohne Originalsubstanz will keiner und seltene Marken ohne Ersatzteilversorgung gehen auch nicht. So sei die Stunde der jüngeren Alltagsautos gekommen, den sog. Youngtimern, die auch von DEUVET betreut werden. Gefragt sei z.B. der ungetunte Golf II GTI mit nachgewiesener Wartung und seine Sondermodelle. Solche Fahrzeuge lösten auch Nostalgie aus, seien aber bezahlbar und wertstabil.
Der letzte Anlaufpunkt auf unserer MPC- Classic-Tour war die alte Bodan-Werft in Kressbronn. Also Historisches bis zum Schluss. Das 1919 gegründete Unternehmen war die erste industrielle Werft am Bodensee, die auch Stahlschiffe für den Bodensee herstellte. Sie entwickelte in ihrer 90jährigen Geschichte Schiffe, die prägend für den Bodensee waren bis zu den heutigen Katamaranen. Fast alle Passagierschiffe und Fähren auf dem Bodensee stammen von dort. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen der Marine verpflichtet und baute Landungsboote für die Wehrmacht. Ein Teil der Produktionsanlagen wurde nach dem Krieg demontiert, doch bereits ab 1946 wurden wieder Fischerboote und ab 1949 auch Personenschiffe gebaut. Bedeutende Kunden waren die Deutsche Reichsbahn bzw. ihre Nachfolgerin und seit 1952 die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG). Leider musste das Unternehmen 2011 aufgeben. Das Areal wurde unter Denkmalschutz gestellt. Die Werfthallen der ehemaligen Bodan-Werft, die ins Eigentum der Gemeinde Kressbronn gelangten, wurden aufwändig und denkmalgerecht saniert. Die ehemalige Schreinerei und Schlosserei wurden zu einer Gastronomie umgebaut. Das Restaurant heißt „Werft 1919“. Die Halle 1 bildet den Durchgang zum Bodan-Platz, ist gleichzeitig aber auch Standort für eine große Kleinkunst- bzw. Freiluftbühne. Auf dem freien Areal wurden elegante Wohnkomplexe mit Eigentumswohnungen erbaut. Ihr unverbaubarer Blick auf den See und den Yachthafen bestimmen den Preis.
In dem Restaurant ließen wir sowohl den Tag ausklingen als auch die ganze Tour. Wir saßen zwischen alten Maschinen an urigen Holztischen. Zwei VdMler aus Stuttgart hatten sich uns angeschlossen. Und dann kam die Überraschung: Plötzlich stand ein sehr bekanntes Gesicht aus alten Zeiten an unserem Tisch und fragte, ob es erlaubt sei, sich dazuzusetzen. Jürgen Lewandowski. Unser MPC Alt-Präsident wohnt in genau diesem wunderschönen Areal, so wie auch der ZF-CEO Mathias Miedreich und der ehemalige Rennfahrer und BMW-Sportdirektor Jochen Neerpasch, über den im Übrigen Jürgen zusammen mit Uwe Mahla mal ein Buch geschrieben hat. Die Welt ist klein. Es wurde ein besonders netter Abend, wir plauderten über vergangene, goldene Zeiten, auch des Clubs. Es passte ganz zu einer Classic Tour und war ein kurzweiliger, gemütlicher Abschluss.
Astrid Gorgas

