49. MPC Wandertage 2014

Wo nicht nur die Hirsche röhren – zu Fuß in Hörweite des Nürburgrings

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Von Gerold Lingnau

Dass man sich unter Nürburgring auch ohne -ring etwas vorstellen kann, nämlich eine (allerdings vom Motorsport total infizierte) kleine Ortschaft und eine völlig unbeteiligt darüber thronende historische Ruine, dazu muss man ein wenig von Auto und Motorrad Abstand nehmen. Und diesen Teil der Eifel als das nehmen, was er ohne den -ring wäre: eine verträumte, hübsche, wenn auch nicht gerade heroische Landschaft. Wie zum Wandern geschaffen eben. Doch wenn der Organisator auch dieser MPC Wandertage schon mit dem Auto und der Lehre von seiner perfekten Beherrschung eng verbunden ist, kommt man am Rennbetrieb nicht ganz vorbei. Passiv allerdings, weil man nämlich direkt über der Zielgeraden des Formel-1-Kurses Quartier bezogen hat und zwangsläufig Ohrenzeuge eines Saison-Abschiedsrennens wird. Da drehten Young- und junge Oldtimer so laut ihre Runden, als ob sie km/h durch Dezibel ersetzen wollten. Die schnellsten unter ihnen fuhren immerhin in 2:14 Minuten um den Kurs, und das bedeutete 138 km/h Schnitt. Der Rundenrekord – von Schumi – liegt bei 206 km/h.

Aber hier ging es ja ums Wandern und nicht ums Wundern über so viel späten Krawall, für den Horst-Dieter Grosse, der Vor-Läufer der MPC Gruppe, auch gar nichts konnte. Sonst war nämlich über die Unterkunft im Dorint-Hotel direkt an der Rennstrecke und vor allem über das Essen nicht zu klagen. Und schon gar nicht über das Wetter – herbstlicher Sonnenschein auf bunte Wälder – und auch das Programm und die Wanderrouten waren über jede Kritik erhaben. Ein veritabler Oberförster und Eifelverein-Profi, Rolf Lück, übernahm am ersten Tag die Führung der reichlich zwanzig Wanderlustigen, die sich auf gut gebahnte Wege und wenig Höhenmeter freuen durften. So ging es durch eine abwechslungsreiche Gegend mit weitem Horizont – eines der typischen Eifel-Maare durfte als Kulisse nicht fehlen – ins Dörfchen Boos, wo im Gasthaus „Zur Quelle“ eingekehrt wurde.

Eine Stärkung war ratsam, denn danach lockte nach kurzem Aufstieg eine körperliche Herausforderung: das Erklettern des Eifelturms, der sich freilich von dem anderen nicht nur durch ein fehlendes „f“, sondern auch durch geringere Höhe unterscheidet. Dennoch: Nicht alle Wanderer lockte es angesichts der vielen Treppenstufen auf dessen Aussichtsplattform. Aber da auch der kleine Grosse-Hund Pia den Aufstieg schwanzwedelnd bewältigte, ließen sich genug Mutige aus der Gruppe auf das Abenteuer ein und berichteten von einem grandiosen Rundumblick bis zu den Protzbauten am „Ring“ und zur Hohen Acht, dem Mont Blanc der Eifel. Wer jetzt noch nicht ermüdet war, folgte Förster Lück auf einem lohnenden Umweg zurück zum Gasthof, wo ein Bus für die Rückfahrt bereit stand.

Am nächsten Tag waren Wanderpause und Besichtigung angesagt. Wieder per Bus ging es über die Johanniterstadt Adenau ins Ahrtal und entlang des Flüsschens nach Ahrweiler. Hier wartet eine der gigantischsten Fehlinvestitionen der vergangenen Jahrzehnte auf Besucher: der Regierungsbunker – auf Behördendeutsch kurz „Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit“ genannt –, der als Notquartier dienen sollte, wenn der kalte Krieg zum heißen geworden wäre. Der Tunnel wurde, 17,3 Kilometer lang, unter dem Decknamen „Rosengarten“ zwischen 1960 und 1972 in den Ahr-Schiefer gebohrt. Drei Milliarden DM soll er gekostet haben und hätte schon während der Bauzeit den immer stärker werdenden Atomwaffen nicht standgehalten. Heute sind nur noch 203 Meter als Museum zugänglich, und die Wanderer durften sich davon überzeugen, dass von Unterbringungs-Luxus nicht die Rede gewesen sein konnte.

Schaudernd freute man sich wieder aufs Tageslicht, und weiter ging's ins Städtchen Ahrweiler, zum schmackhaften Mittagsimbiss im Gasthaus „Zum Ännchen“. Dass die Flaniermeile des Fachwerk-Idylls – was die Touri-Frequenz betrifft – stark an Rüdesheims Drosselgasse erinnert, verdarb den MPClern nicht den Spaß an einem Cappuccino im Straßencafé. Doch die Wanderer waren ja nicht nur zum Vergnügen hier. Es wartete noch Arbeit auf sie – oder besser Ahrbeit, denn das Ahrtal ist schließlich für seinen (Rot-)Wein berühmt. Und so bahnte sich der Bus durch feiertägliche Auto-Massen – es war der 3. Oktober – seinen Weg zur Winzergenossenschaft Mayschoss, der ältesten der Welt und einer der meistdekorierten dazu. Einer Kellerführung durch endlose Fass-Spaliere folgte eine kleine Weinprobe, die den Produkten des Ahr-Terroirs eine gute Bühne bot. Eine ganze Menge gekaufter Flaschen fuhr dann mit im Bus zum Hotel zurück.

Förster Lück stand am dritten Tag schon bereit: Jetzt war wieder ernsthaftes Wandern vorgesehen, diesmal in Hörweite zur Nürburgring-Nordschleife, auf der das übliche Wochenend-Heizen im Gang war – 28 Euro die Runde. Auf der Quiddelbacher Höhe indes, wo eine Herde Schafe den Trockenrasen pflegte, war der Röhren der Motoren schon nicht mehr störend, wie auch auf dem weiteren Weg nach Breitscheid. Dort hatte der weniger wanderlustige Teil der Gruppe schon auf direktem Weg hingefunden und „Bei Christa“ die für den Mittagsimbiss reservierten Biergartenplätze verteidigt. Ein Bus fuhr die Gesättigten zurück – Ziel Nürburg, und jetzt war die Burg gemeint –, die Ruine wurde erklettert und natürlich auch der Bergfried, trotz des heftig wehenden kühlen Winds.

Und dann der Abend im Hotel: Dort wurde der Raum Daytona Zeuge nicht nur eines vortrefflich mundenden Abendessens, sondern auch – O-Ton Horst-Dieter Grosse – der „üblichen und liebgewordenen MPC Zeremonien“. Dazu gehörte nicht nur der wohlverdiente Dank der Gruppe an Organisator Grosse und seine Frau Renate, sondern vor allem der Übergang der „Goldenen Sohle des MPC“ von Peter Richter auf einen neuen Träger. Diesmal eine Trägerin: Antje Lingnau, die sich nicht nur durch wackeres Wandern bewährt hat, sondern auch elf Jahre lang als Mitgestalterin der Wandertage des Clubs. Gerührt spendierte sie eine Saalrunde „Eifelgeist“ – ein Gläschen Kräuterschnaps, das nur mit einem (mitservierten) weißen Handschuh angefasst werden darf. So klang alles bestens aus. Und weil am nächsten Morgen der Sonnenschein dichtem Nebel gewichen war, wurde der Abschied dann nicht mehr so schwer. Bis zum nächsten Jahr, wo auch immer.

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