Über uns

Der MPC – kein Club wie andere

Von Gerold Lingnau

Was ist ein Club? Da kann man an manches denken. An jene britischen Zufluchtsorte für Männer zum Beispiel, in denen sie in Ledersesseln Zigarren rauchen und plaudern, hinter schweren Türen mit der Aufschrift „No Dogs, No Ladies“. Oder an bestimmte Urlaubscamps, wo Animateure alles tun, um aus bunt zusammengewürfelten Gästen eine mit Perlen zahlende Großfamilie zu machen. Oder an diesen Verein mit 18,5 Millionen Mitgliedern, der den deutschen Autofahrern wegen seiner Pannenhilfe so sehr ans Herz gewachsen ist. Sie alle nennen sich Club. An dieser Stelle denken wir – die Leser und ihr Schreiber – freilich an den Motor Presse Club. Und der hat von allen drei Erscheinungsformen ein bisschen. Doch zum Glück nicht zu viel

Nur anfangs ein elitärer Verein

Der MPC eine patriarchalische Vereinigung, eine Loge gar? Das war er allenfalls zu Anfang einmal. In München im Dezember 1947 gegründet, also fast noch in Hörweite der letzten Bombeneinschläge des Weltkriegs, war er in der Tat ein elitäres Gebilde für einen Berufszweig, der im damals vergangenen Jahrzehnt beinahe ausgestorben war. Sieben gestandene Männer brachten ihn auf den Weg, wohl keiner unter fünfzig. Die heutige Generation Motorjournalist weiß leider von keinem mehr. Die älteren haben allenfalls noch vom Gründungspräsidenten Ernst Hornickel gehört, der sich später auch als Wein-Autor einen Namen machte. Die Clubmitglieder der ersten Jahre kannten sich selbstverständlich persönlich, auch jene, die dann zur wieder aufblühenden Automobilindustrie „auf die andere Seite des Schreibtischs“ gingen und Pressearbeit machten.

MPC-Günderväter

 

Ein Männerorden somit, für den das Wort Kameradschaft noch sehr konkrete und unbelastete Bedeutung hatte und in dem auch noch ein Hauch von Herrenfahrer-Arroganz der Dreißigerjahre erhalten war. Man(n) trat nicht einfach ein in den Club, sondern brauchte Bürgen und musste zunächst ein Hospitanten-Jahr absolvieren, ehe der Weg zur Vollmitgliedschaft offen war. Dass sich doch eine erste Frau einschleichen konnte, wirft ein milderes Licht auf die Gender-Verbissenheit. Außenstehenden wäre sie in der Mitgliederliste ohnehin kaum aufgefallen, ihres Vornamens „Bob“ wegen. Futterneid und journalistischen Wettbewerb untereinander gab es in den Wirtschaftswunder-Jahren noch kaum. Man half sich aus und – daher hatten die Gründungsväter wohl auf dem Wort „Club“ bestanden – man traf sich gern abseits des Berufs, der noch kein rechter Berufsstand geworden war. Ärger gab es nur einmal, als sich ein Teil der Mitglieder, des Elitarismus überdrüssig, 1952 abspaltete und mit anderen „Nachwuchs-Schreibern“ den Verband der Motorjournalisten (VdM) schuf. Der nannte sich gerade nicht Club, sondern verstand sich in der Folge als eine weniger intime berufsständische Vereinigung.

Danach herrschte wieder Ruhe im MPC. Er wuchs nur langsam, eine Zahl von hundert Mitgliedern galt als hoffentlich nie zu erreichende Grenze zur Vermassung. Weiterer interner Streit war nach dem Auszug der Unzufriedenen verpönt, der Vorstand wurde stets nach vorheriger Absprache und ohne Gegenkandidat gewählt. Kontinuität auch an der Spitze: 66 Jahre nach Gründung hat der MPC heute den achten Präsidenten (satzungsgemäß heißt er „Erster Vorsitzender“), und erst beim siebten gab es die Wahl zwischen zwei Kandidaten.

Die Senioren der Anfangsjahre gewöhnten sich langsam an ihre grünschnäbeligen Konkurrenten, und so setzte auch im MPC eine zaghafte Verjüngung ein. Ein Relikt, das er noch lange mitschleppte, war das Verbot der doppelten Mitgliedschaft in MPC und VdM. 1990 wurde diese Sperre, die vor allem für die nicht in Medien tätigen Mitglieder lästig war, endlich aufgehoben. Spätestens dann hatte der Motor Presse Club aufgehört, ein an britischen Vorbildern orientierter Zirkel zu sein. Er wuchs ungehindert, nahm immer mehr weibliche Antragsteller und Kollegen aus den neuen elektronischen Medien auf – und verjüngte sich damit zusehends. Mit seinen gegenwärtig 285 Mitgliedern ist seine Alterspyramide so ausgeglichen wie wohl nie zuvor.

Freundschaft ganz ohne Animateure

Und was hat der MPC nun mit einem Club Méditerranée gemeinsam? Es gibt bei ihm zwar keine Gentils Organisateurs, aber er weiß durchaus Events zu gestalten und die Feste zu feiern, wie sie fallen. Höhepunkt des Jahres ist seit jeher die Mitgliederversammlung, an wechselnden Orten und mit einem Beiprogramm, mit dem jeder der ausrichtenden Regionalkreise seinen Vorgänger zu übertreffen trachtet. Hier tritt der Club-Charakter am schönsten zutage: Die Partner der MPCler sind dabei, die sich meist auch schon lange Zeit kennen und aufs Wiedersehen freuen, es geht freundschaftlich, ja fast familiär zu, berufliches Konkurrenzdenken ist vorübergehend abgeschaltet. Wenn die sechs Regionalkreise ihre Treffen haben, geht es – von Weihnachten abgesehen – meist professioneller zu, fast immer steht dann ein journalistisch verwertbarer Anlass zu Gebote.

Zur Historie des MPC gehört der Testtag für neue Personenwagen-Modelle anlässlich der Frankfurter Automobil-Ausstellungen, zuerst auf dem Rebstock-Gelände der Stadt, später auf dem Hockenheimring. Er beanspruchte trotz Industriehilfe das Organisationstalent des Clubs aufs Äußerste. Und er nahm ein Ende, weil manche der davon profitierenden Kollegen – Motorjournalisten aus immer mehr und aus wenig überschaubaren Ländern – die Veranstaltung als Angebot für Privatrennen missverstanden, eine gewisse Schrott-Quote inbegriffen. Seriöser ging und geht es bei Der MPC lädt ein (heute IAA-Abend des MPC) zu, einem aus der Auto-Welt hochrangig besetzten Treffen kurz vor Eröffnung der IAA, das stets auch mit einem Gastvortrag verbunden ist. Prominente Redner traten da schon auf: der hemdsärmelige Chrysler-Chef Lee Iacocca zum Beispiel, Fiats Gottvater Giovanni Agnelli, Esso-Deutschland-Chef Wolfgang Oehme oder die Medien-Bosse Mark Wössner und Mathias Döpfner, aber auch andere Berühmtheiten wie der Prämonstratenser-Pater und Unternehmensberater Augustinus Henckel-Donnersmarck, der Bestseller-Autor Prinz Asfa-Wossen Asserate sowie der Maler und Bidhauer Markus Lüpertz, das Universalgenie Sir Peter Ustinov und der Kabarettist Django Asül. Daneben nicht zu vergessen die Verkehrssicherheitstage des MPC, mit denen er seinem Satzungszweck buchstabengetreu Genüge tat. Eine gern genutzte Gelegenheit zum Feiern einer um die Verkehrssicherheit verdienten Person bietet jetzt die jährliche Verleihung des Goldenen Gurt des MPC – zum ersten Mal 2013 an den Print-, Film- und Fernseh-Journalisten Alfred Noell.

Und da gibt es auch noch die „Clubs im Club“, die ganz ohne separatistische Neigungen ihren kleinen Liebhabereien frönen. Die älteste sind die alljährliche Wandertage des MPC, die seit 1963 schon 47 Mal in immer wechselnden Revieren stattgefunden hat. Die Absicht ihrer Begründer war zu zeigen, dass Motorjournalisten die Füße nicht nur zum Betätigen von Gas- und Bremspedal gewachsen sind. Wer wacker mitläuft, kann für ein Jahr Träger der Goldenen Sohle des MPC werden, mit unterdessen bereits 37 Vorgängerinnen und Vorgängern. Jüngeren Datums sind die ebenfalls alljährlichen Oldtimer- und Motorrad-Touren des Clubs, gut organisiert und für die jeweils Gleichgesinnten ein fröhlich befolgtes Muss. Die Golfer schließlich haben ihren MPC-Golf-Cup anlässlich der Mitgliederversammlung.

Klein, aber gemeinnützig

Dass der MPC schließlich kein Club wie der Allgemeine Deutsche Automobil-Club ist, liegt eigentlich auf der Hand: Auf ein Mitglied beim einen kommen 65.000 beim anderen. Genauso klar ist, wer von den zwei den Titel Club mehr verdient. Beide eint jedoch ihr Lebenszweck, der motorisierte Verkehr mit allen seinen schönen und unguten Facetten. Politisches Sprachrohr zu sein steht bei beiden nicht im Vordergrund: Der eine kann es nicht, weil unter 18,5 Millionen Mitgliedern kein Konsens zu schaffen ist, der andere will es eigentlich nicht, von Ausnahmefällen abgesehen, eben weil er ein Club ist und kein Kampagnenverein. Der Gesamt-ADAC ist auch nicht als gemeinnützig anerkannt, wohl aber der MPC und seine Unterstützungseinrichtung, die in Not geratenen Angehörigen des Berufsstands – und nicht etwa nur MPC-Mitgliedern – finanzielle Hilfe leistet. Dass diese Möglichkeit von Spenden und Sponsorengeldern abhängt und solides Wirtschaften voraussetzt, versteht sich von selbst. Dass das aber vorübergehend auch aus den Augen verloren werden kann, hat der MPC selbst erlebt. Aus einer pekuniären Schieflage, die durchaus in eine Insolvenz hätte führen können, wurde er vor wenigen Jahren gerettet, durch das beherzte Eingreifen eines neuen Vorstands. Inzwischen ist der Club auch finanziell wieder im Lot – und mit dieser Gewissheit kann er zuversichtlich nach vorn blicken. Aber auch Anerkennung von außen tut ihm gut, wenn etwa Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, bekennt: „Seine Mitglieder sind durchweg Anwälte der individuellen Mobilität, sind überzeugte, leidenschaftliche, aber auch konstruktiv-kritische Freunde des Automobils.“

Wenn es den Club namens MPC nicht schon gäbe, müsste man ihn schnellstens erfinden – dieser wohlfeile Spruch soll hier nicht verwendet werden. Selbst wenn seine Gründung heute gelänge, was fehlte ihm dann nicht alles: sein Start mit großen Hoffnungen in einem weithin zerstörten Land, seine Erfolge, aber auch seine gelegentlichen Irrungen und Wirrungen, sein sachkundiges Begleiten einer technischen Entwicklung, die in Tempo und Umfang alles Vorherige übertroffen hat, aber auch seine in Jahrzehnten bewährte Fähigkeit, aus Kollegen und Konkurrenten Freunde zu machen und ein wenig menschliche Wärme in den meist kalten Berufs-Alltag zu bringen. Nein, der MPC braucht nicht erst erfunden zu werden. Es gibt ihn, mit der  gesammelten Erfahrung eines Fünfundsechzigjährigen, der an vieles denkt – nur nicht an den Ruhestand.

 

MPC-Vorsitzende in 65 Jahren MPC

Ernst Hornickel 1948 – 1956

Ernst Rosemann 1956 – 1960

Willi Wieczorek 1960 – 1964

F. H. Hans Schulte 1964 – 1968

F. Gert Pohle 1968 – 1986

Dr. Gerold Lingnau 1986 – 1994

Jürgen Lewandowski 1994 – 2010

Rolf Heggen 2010 – 2016

Ulrich Nies seit 2016

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