MPC Motorrad-Tour 2012

Thüringer Wald, die Erste

Von Knut Briel

Weniger noch als Wanderer, Golfspieler und Segler können Motorradfahrer bei der Ausübung ihres Hobbys Regen gebrauchen. Deshalb beginnt beinahe jedes Benzingespräch unter Bikern mit demselben Thema: Wie wird das Wetter? Ganz anders, wenn sich die Teilnehmer der jährlichen MPC Motorrad-Tour treffen - dann lautet die Frage: Wie war das Wetter? Die meisten haben dann nämlich bereits ein paar hundert Kilometer und damit den ein oder anderen Wolkenbruch hinter sich.

In diesem Jahr trafen sich die MPC-Biker zu ihrer Ausfahrt in den dunklen Tiefen des Thüringer Waldes. Wenn auch inzwischen der eine oder andere der Versuchung erlegen ist, seine Maschine auf dem Anhänger oder Pickup zum Startort der Tour zu transportieren, so ziehen doch die meisten auch für An- und Abreise immer noch zwei Räder vor und setzen sich von Anfang an den Unbilden der Natur aus. 

Die Einleitung lässt es den aufmerksamen Leser schon ahnen: Dieses Jahr kam es ganz schlimm. Nicht nur, dass die meisten, ob sie nun aus Bayern, Berlin, dem Rheinland oder der Pfalz anreisten, schon vor dem eigentlichen Beginn des Events ihre Motorradkleidung hinreichend auf Wasserdichtigkeit testen konnten. Bei der Suche nach dem mitten im Wald am berühmten "Rennsteig" Wanderweg gelegenen Hotel "Spießberghaus" strandete auch so mancher trotz bzw. gerade wegen seines Navigationsgerätes auf einem verschlammten Waldweg in den Tiefen des Thüringer Waldes. 

Irgendwie fanden sich dann doch alle zwölf Teilnehmer am Freitag Abend ein. Es gab viel zu erzählen, und so ganz nebenbei glühten die Smartphones, weil jeder hoffte, doch noch eine positive Wettervorhersage aus dem Netz zu saugen. Aber was soll an einem Freitag, dem 13. (Juli) schon Gutes dabei herauskommen? Es schüttete die ganze Nacht, und nur kurz nach dem Frühstück setzte eine kurze Regenpause ein, als wollte der Wettergott die Biker aus dem rustikalen, aber durchaus behaglichen Hotel locken. Was ihm auch gelang: Niemand kniff, auch die einzige Selbstfahrerin Bettina Mayer nicht, die sich optimistisch auf ihre Moto Guzzi schwang. Aber die Motoren der neun teilnehmenden Maschinen waren noch nicht ganz warm, da öffnete der Himmel auch wieder seine Schleusen. 

Die Frage, wann der erste Teilnehmer die Nase voll davon haben würde, im strömenden Regen hinter den Tour Guides Knut und Dorothea Briel her zu irren und über die ebenso zahlreichen wie großflächigen Bitumenstreifen des Thüringer Straßennetzes zu rutschen, stellte sich als gegenstandslos heraus, als das Motorrad von Ulrich Nies seine Kühlflüssigkeit auf die regennasse Straße ergoss. Die Panne, so selten heutzutage so etwas vorkommt, war ein willkommener Anlass für alle, sich in das Wartehäuschen einer Bushaltestelle zu flüchten und abzuwarten, ob sich die ADAC-Pannenhilfe auch in Thüringen bewähren würde. Tatsächlich war innerhalb einer halben Stunde ein Gelber Engel samt Anhänger zum Transport der havarierten Maschine vor Ort. 

Die meisten Teilnehmer entschieden sich daraufhin angesichts der Wetterlage, zum Hotel zurückzukehren und per Auto nach Eisenach zu fahren, um dort als Alternativprogramm die Wartburg zu besichtigen. Nur Eckehart und Heike Rotter auf ihrer Honda sowie "Gast-Fahrer" Nick Margetts auf seiner Suzuki waren fest entschlossen, der geplanten Route und damit den Tour Guides zu folgen. Ihr Durchhaltewille erfuhr allerdings wenig Belohnung, denn Fahrspaß und Fernsicht hielten sich in engen Grenzen, weil sich den ganzen Tag über heftige Wolkenbrüche mit nervigem Nieselregen abwechselten. Als sich die Möglichkeit bot, die mit 300 km veranschlagte Rundfahrt um ein Drittel abzukürzen, packten die Regengeprüften deshalb die Gelegenheit beim Schopf und schlugen den Weg nach Südwesten ein, wo ein ermutigendes Loch in der Wolkendecke trockene Straßen vorgaukelte.

Beim zünftigen Abendessen im "Spießberghaus" saßen dann am Samstag Abend alle wieder an einem Tisch, und es gab viel zu erzählen. Zum Beispiel, dass dem ADAC Pannenhelfer, der so zuverlässig auf der Bildfläche erschienen war, das gestrandete Motorrad während der Fahrt zur Werkstatt auf dem Anhänger umfiel, womit er einen wirtschaftlichen Totalschaden verursachte. Oder dass die fünf Unentwegten, die sich fürs Weiterfahren entschieden hatten, immerhin die höchstgelegene Straße im Thüringer Skigebiet zwischen Oberhof und Schmiedefeld gefahren waren, dass sie südlich von Suhl einige der vermutlich schönsten Dörfer Thüringens gesehen hatten und dass sie von Waldhaus nach Trusetal eine der wohl schmalsten Straßen Deutschlands kennen gelernt hatten, die für den öffentlichen Straßenverkehr freigegeben sind. 

Der Gesprächsstoff drohte noch lange nicht auszugehen, als zwei dicke Überraschungen die Aufmerksamkeit der MPC Biker auf sich zogen: Erstens hörte es ganz unerwartet auf zu regnen. Und zweitens stand plötzlich nicht minder unerwartet der MPC Vorsitzende Rolf Heggen mit seiner Frau Heike in der Tür. Das Hallo war groß, nun gab es noch mehr zu erzählen – Ulrich Nies gab das Schicksal seines Motorrades zum wiederholten Mal zum Besten  und den Bikern war die Freude über die Aufmerksamkeit ihres Vorsitzenden gegenüber der MPC-Minderheitsfraktion deutlich anzumerken. 

Am Sonntag Morgen machten sich nach einem ausgiebigen Frühstück die meisten Teilnehmer der Motorrad-Tour wieder auf den Heimweg. Nur Bettina und Franz Mayer folgten  nun bei weitgehend trockenen Straßen  mit ihren Guzzis Knut Briels Buell auf eine 100 km kurze Schleife durch den äußersten Nordwesten des Thüringer Waldes mit Zwischenstationen am Inselberg und in Eisenach. Am Ende waren sich alle einig, dass man an diesem Wochenende viel zu wenig von dieser wunderschönen Gegend Deutschlands gesehen hat und die Tour in einem der folgenden Jahre unbedingt wiederholen sollte. 2013 allerdings, so wurde beschlossen, geht es erst einmal in die Pfalz  hoffentlich bei besserem Wetter.

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