Nachruf

Zum Tod von Peter J. Viererbl

Von Christine Bornkeßel

"Ich freue mich so, Sie zu sehen", das waren immer die Worte, mit denen Peter J. Viererbl mich und natürlich viele andere bei jedem unserer Treffen freundlich und gleichzeitig formvollendet begrüßte und warm und dazu herzlich die Hand schüttelte. Und wie bei allem, was Peter Viererbl sagte, er meinte es genauso.

Peter J. Viererbl starb am 23.12.2011 um 4:12 Uhr morgens im Alter von 77 Jahren.

Der MPC und seine Mitglieder verlieren damit einen der wirklich großen "Alten" unserer Zunft. Er verkörperte Automobil in seiner Ganzheit: Emotion, Leidenschaft und Technik. Und das als Experte auf beiden Seiten des Schreibtisches – als PR-Mann und als Journalist.

Peter Viererbl überließ nichts dem Zufall, er bereitete sich immer gewissenhaft auf alles Mögliche und Unmögliche vor. So auch sein Berufsleben. Als Vorbereitung auf seine journalistische Tätigkeit absolvierte er zunächst ein Karosseriebau-Praktikum. Von 1955 bis 1960 schrieb er im Kellermeier Verlag in München dann – um diese praktische Erfahrung reicher und klüger – für "Das Kraftrad", "Der Kleinwagen" sowie "Das Automobil". Zuvor, aber auch während dieser Jahre dokumentierte sich seine mobile Leidenschaft nicht nur in der Papierform; er fuhr auch aktiv auf DKW, Puch und Maico im Gelände – heute würde man dies Enduro nennen – und Goggomobil bei Langstreckenrennen. Diese Erfahrungen als aktiver Rennfahrer brachte er in den nächsten zehn Jahren in seine Arbeit in der Presseabteilung NSU in Neckarsulm unter der Leitung von Arthur Westrup mit ein. Neben der allgemeinen Pressearbeit, die er dort leitete, war er auch für die Sportfahrer-Betreuung im Rahmen des "NSU-Siegerpokal" bis zur Fusion von NSU und Audi verantwortlich. Doch auch während dieser Zeit war er mittendrin und nicht nur dabei – zusammen mit Erich Bitter nahm er auf NSU-Prinz an Rallyes und Langstreckenrennen teil. 

Den beiden nächsten beruflichen Positionen bei dem Feuerwehrfahrzeug-Hersteller Bachert in Bad Friedrichshall und dem Aufbau und der Leitung der Nissan/Datsun-Pressestelle folgten dann fast zwanzig Jahre "Presse-Arbeit für seinen Daimler oder besser Mercedes". Während dieser Zeit fand man Peter J. Viererbl in vielen unterschiedlichen PR-Bereichen wie Testwagen, Pkw-Presse allgemein, Pkw-Presse Inland und Ausland – eben immer entsprechend der jeweiligen Organisation des Unternehmens. Mit 61 Jahren wechselte Peter J. Viererbl im Jahr 1995 "offiziell" in den Ruhestand, blieb dem Unternehmen Daimler aber stets aktiv verbunden. In der Wahrnehmung vieler Mitglieder des MPC und auch vieler Branchenexperten war er – und ist es bis heute geblieben – gleichbedeutend mit dem "Mister Mercedes". Bei den Oldtimer-Touren des MPC nahm er schon allein deshalb natürlich mit einem Fahrzeug dieses Herstellers teil. Er war – bezogen auf Mercedes, die Fahrzeuge, die Historie, die handelnden Personen und auch so eine oder andere Geschichte aus dem Haus – ein lebendes Nachschlagewerk. Wenn man eine Frage hatte, so konnte er sie beantworten – sachlich und fundiert. Auch Jahre nach seinem Ausscheiden. Außerdem war er immer offen und interessiert für die und an den Innovationen seines Daimlers. Und dies hob ihn wohltuend von dem einen oder anderen schwäbischen Dickschädel ab. Er sah die Technik, erkannte die Logik des Konzepts und bildete sich seine Meinung – eben ein smarter Typ.

Peter J. Viererbl war gleichzeitig Pressemann und Journalist vom Scheitel bis zur Sohle. Er lebte schon viele Jahre vor den ersten "Social Networks" ein oder besser sein real existierendes soziales Netzwerk. Er verstand es, junge Kollegen mit seinem Wissen anzustecken und für seine Profession der soliden und verlässlichen Pressearbeit zu begeistern. Niemals war er dabei belehrend. Am Ende jeder Diskussion bestach er durch seine Expertise, seine Argumente und seine Erfahrungen, von denen jeder – ob Jungspund oder alter Hase – lernen konnte. Wenn man sich auf Peter Viererbl einmal eingelassen hatte, konnte man nicht mehr loslassen. Seine Angebote zur Hilfe und Unterstützung waren immer ehrlich und nie von persönlichen Nutzengedanken überlagert. Stets waren sein Auftreten und seine Formen einem "Mister Mercedes" würdig und eine seiner weiteren Tugenden war seine Zuverlässigkeit. Auf eine Einladung reagierte er immer, selbst wenn er nicht kommen konnte – heute keine Selbstverständlichkeit mehr. So bedauerte es im September sehr, nicht am IAA-Abend des MPC in Frankfurt teilnehmen zu können. Seine Gesundheit lies es bereits damals nicht zu, doch war er voller Zuversicht und freute sich auf die kommende Mitgliederversammlung. 

Seine Leidenschaft war eine einzigartige Verbindung aus Automobil und Mensch. 

Er lebte neben hohen beruflichen Werten auch persönliche, die ihn zu dem gemacht haben, wie wir ihn in Erinnerung behalten werden: Peter Viererbl – ein ehrlicher, aufrechter, zuverlässiger, gelehrter und von vielen Menschen aufrichtig geschätzter Kollege. 

Wir trauern um einen echten Freund und Kollegen und sprechen seiner Familie unser ehrliches Mitgefühl aus.

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